Schrittweise Verantwortung übernehmen

Jeder kann Pfadfinder werden - Informationsnachmittag am Sonntag

Aschaffenburg. Der Stamm Johannisburg in der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) sucht Nachwuchs. Besonders junge Erwachsene sind derzeit rar. Junge Leute ab 16 Jahren können sich am Sonntag, 2. Februar, von 15 bis 17 Uhr in der »Villa Kunterbunt« in der Kleinen Schönbuschallee 70 über die Pfadfinderarbeit informieren.

Die 1929 gegründete DPSG ist heute mit über 100000 Mitgliedern der größte katholische Kinder- und Jugendverband in der Bundesrepublik, aber offen für alle Konfessionen. »Die Religion spielt keine herausragende Rolle«, sagt Stefanie Walldorf (siehe nebenstehenden Artikel). Ebenso werde versucht, den Kindern demokratische Strukturen zu erklären, ohne sie politisch zu beeinflussen.
Der Stamm Johannisburg ist über den Bundesverband Mitglied des Rings deutscher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, der Weltpfadfinderbewegung und der internationalen katholischen Konferenz des Pfadfindertums. Dies sei wichtig zu wissen, sagt Walldorf, denn der Name Pfadfinder sei nicht geschützt. »Nicht alles, was Pfadfinder heißt, ist so strukturiert wie wir.«
»Try to leave this world a little better than you found it.« (»Versuche, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als du sie vorgefunden hast.«) Das Vermächtnis von Lord Robert Baden-Powell, der vor 95 Jahren in England die erste Pfadfindergruppe gegründet hat, spielt heute noch eine große Rolle. Pfadfinder hängen nicht einfach zusammen herum. Sie sind eine Gemeinschaft, in der Kinder und Jugendliche schrittweise lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.
Zwei Leitsätze haben die ehrenamtlichen Gruppenleiter vor Augen: »Look at the boy«, achte auf die Begabungen des Einzelnen, und »Learning by doing«. Pfadfinder pauken keine Theorie, sondern lernen über Erfahrungen.
Die ehemals zehn strikten Regeln Baden-Powells hat die DPSG bei ihrer Wiederbegründung 1971 modernisiert und abgewandelt. Heute heißen die Grundlinien »Leben in Hoffnung, Freiheit, Wahrheit und tätiger Solidarität.«
Während die Wölflinge, Jupfis und Pfadis Gruppenleiter haben, organisieren sich die Rover selbst und haben nur noch einen Ansprechpartner im Stamm. »Das Problem dieser Altersgruppe ist, dass so viele wegziehen oder wegen des Berufs einfach keine Zeit mehr haben.« So fehle es immer an Gruppenleitern oder organisatorisch veranlagten Mitgliedern. Doch viele hätten den Wunsch, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben. Studenten, die nach Würzburg gingen, würden sich etwa auf Bezirks- oder Diözesanebene engagieren. Walldorf: »Ich hatte all die Jahre meinen Spaß, aber ich habe auch gemerkt, ich kann die Welt ein wenig verändern.«

Infos über den Stamm Johannisburg gibt es unter 06021/4449700 oder im Internet: www.stamm-johannisburg.de

seiQuelle: Main-Echo von Freitag ,31.01.2003