Apfelbäume für eine bessere Welt

Aschaffenburger Pfadfinder übernehmen die Patenschaft für eine Streuobstwiese im Krämersgrund

Aschaffenburg. Schweißtreibenden Dienst für die Umwelt leisteten die Georgspfadfinder vom Aschaffenburger Stamm Johannisburg am Samstag im Krämersgrund. Da wurde gegraben und gepickelt, da wurden Steine entfernt, Regenwürmer gerettet und Löcher vermessen: Die Pfadfinder pflanzten zusammen mit ihrem Stammesvorsitzenden Jörg Witzorkiwitz sechs junge Bäumchen auf einer Streuobstwiese.
Getreu dem Auftrag Lord Baden-Powells, dem Gründer der Weltpfadfinder-Bewegung – »Versucht die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt« –, wollte der Stamm Johannisburg sich mit einem bestimmten Projekt für den Naturschutz einsetzen. Was lag für den Stammesvorsitzenden, der im Krämersgrund selbst schon vier Bäume gepachtet hat, näher, als die Pflanzaktion als Ersatz für alte oder umgestürzte Bäume anzuregen. »Wir wollen erreichen, dass die Kinder Verantwortung für die Umwelt und für ihre Heimat übernehmen und merken, dass man Dinge zusammen schaffen kann«, erklärt Witzorkiwitz.

Jeder Gruppe ihren Baum

Ob Wölflinge (acht bis elf Jahre), Jungpfadfinder (elf bis 13 Jahre), Pfadfinder von 13 bis 16 oder Rover im Alter zwischen 16 und 20 Jahren, von jeder Gruppe hatten sich einige Mitglieder auf der Wiese an der Schmerlenbacher Straße eingefunden. Gepflanzt wurden fünf Apfelbäume und ein Birnbaum. »Die Idee ist, dass jede Gruppe ihren eigenen Baum bekommt, den sie pflanzt und pflegt«, sagt Witzorkiwitz.
»Auch wir vom Vorsitz wollten die Patenschaft für einen Apfelbaum übernehmen.« Nun sei auf den besonderen Wunsch von Maria Quittek noch ein Birnbaum dazu gekommen.
Maria Quittek, Fachkraft für Naturschutz beim städtischen Umwelt- und Ordnungsamt, ist sozusagen die Hüterin der Obstbäume. »Die Streuobstwiesen sind typisch für die main-fränkische Kulturlandschaft«, erzählt sie. Die Wiesen im Aschaffenburger Stadtgebiet seien vor vielen Jahren vom Stadtgartenamt angelegt worden, deren Mitarbeiter die Flächen bis vor rund 15 Jahren auch pflegten. »Dann wurden sie sich selbst überlassen und die Bäume zur Erntezeit an Bürger versteigert, die sie abernten durften. Von Baumschnitt, vom Abstützen der Äste, wenn die Früchte zu schwer wurden, oder vom Nachpflanzen war da natürlich keine Rede mehr.«
Dies hat sich zu Beginn der 90er Jahre geändert. Damals wurden die Streuobstbestände als biotopwürdig erklärt und unter Naturschutz gestellt. Die Zuständigkeit für die Wiesen ging an das Umwelt- und Ordnungsamt, das sich seit 1991 um die Verpachtung der Bäume bemüht.
Die Idee ist so simpel wie genial: Jeder Bürger kann einen Pachtvertrag für einen oder mehrere der Hochstammbäume, die vielen seltenen Tierarten – wie dem Steinkauz – als Rückzugsfläche dienen, mit der Stadt abschließen. Damit verpflichtet er sich, die Obstbäume nach den Vorgaben des Naturschutzes zu pflegen oder der Stadt die Pflege gegen eine geringe Kostenbeteiligung zu überlassen. Der Lohn ist die Ernte, denn die Bäume bringen sowohl Kelter- als auch Tafelobst.

Bewährte alte und neue Sorten

Auch die Pfadfinder haben sich mit Marie Quittek für eine Mischung aus bewährten alten sowie neuen Apfelsorten entschieden. Gepflegt werden sollen die Bäume jeweils von »ihren« Gruppen. Die Stammesvorsitzenden hoffen, dass der Feuereifer, mit dem gegraben und gepflanzt wurde, bei den künftig anfallenden Arbeiten anhält.
»Ich glaube, dass es etwas Besonderes ist, wenn man einen Baum selbst gepflanzt hat und ihn dann wachsen sieht«, sagt Jörg Witzorkiwitz, der hofft, dass er die älteren Pfadfinder bald mit Äppelwoi oder Most aus eigenen Äpfeln und die jüngeren vielleicht mit einem leckeren Apfelkuchen für die Mühen belohnen kann.
Vorerst musste es noch bei mitgebrachtem Eintopf bleiben. Der schmeckte aber am Samstag, über einem zünftigen Lagerfeuer mitten auf der Wiese aufgewärmt, nach getaner Arbeit fast so gut wie ein Apfelkuchen. sei