Aschaffenburg. Das ist das Tolle an den Pfadfindern, dass sie alles selber können (wollen). Deshalb haben es Wölflinge, Jupfis und Pfadis gleich selbst in die Hand genommen, ihre »Villa Kunterbunt« in der Kleinen Schönbuschallee rundum zu erneuern – und die großzügige Gartenanlage ebenfalls.
Unterstützung und fachkundige Anleitung bekamen die Kinder und Jugendlichen des Stammes »Johannisburg« in der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) von ihren Gruppenleitern sowie von ehemaligen Mitgliedern und Eltern. Aktiv beteiligt hatte sich auch der Jugendtreff Nilkheim, der das Pfadfinder-Heim am Schönbusch vorübergehend als Ausweichquartier mitnutzt.
Mit der ganztägigen Aktion vom vergangenen Samstag ist es nicht getan. Zunächst galt es, die Villa Kunterbunt vollständig auszuräumen, Abfall zu beseitigen und Haus und Garten einem gründlichen Frühjahrsputz zu unterziehen. Unter dessen wurde im Haus eine Trennwand entfernt, um die Räume neu aufzuteilen. Unter anderem wurden zwei kleine Zimmer in einen großen Raum verwandelt. Als nächstes wird gestrichen, ein neuer Boden verlegt und eine neue Küche eingebaut. Die Stadt Aschaffenburg, Eigentümerin von Haus und Garten, übernimmt die Reparaturen am undichten Dach.
Als Tische, Stühle, Polstermöbel und Schränke nach draußen gebracht worden waren, dürfte so mancher sorgenvolle Blick zum Himmel gewandert sein. Das Wetter meinte es aber gut mit den Pfadfindern, erst am Abend setzte Regen ein. Das abschließende Lagerfeuer fiel wegen einer solchen Lapalie jedoch nicht ins Wasser.
1987 bezog der Pfadfinderstamm Johannisburg die ehemalige Minigolfanlage. Das Gelände unmittelbar neben dem neuen Verkehrsgarten liegt stadtnah und doch im Grünen: ideal für die Jugendarbeit der Pfadfinder. Die Mitglieder sind begeistert von dem Domizil, das ihnen viel Freiraum gibt. Dass es einige Mühe kostet, das große Gartengelände in Schuss zu halten, merkten die Kinder beim Frühjahrsputz durchaus. Dennoch waren sie begeistert bei der Arbeit. Der Grund dafür ließ sich aus der Antwort auf die Frage, ob sie so etwas schon einmal gemacht hätten, leicht heraushören: »Nein. Wir haben zu Hause doch keinen solchen Garten.«
Vielfältig genutzt wird auch das Haus. Hier treffen sich jede Woche die verschiedenen Gruppen: Wölflinge (sieben bis zehn Jahre), Jungpfadfinderinnen und Jungpfadfinder (zehn bis 13 Jahre), Pfadfinderinnen und Pfadfinder (13 bis 16 Jahre), Roverinnen und Rover (16 bis 20 Jahre). Wer sich für die Gruppenstunden oder für die Arbeit der Pfadfinder interessiert, bekommt Informationen von den Stammesvorsitzenden Stefanie Walldorf und Jörg Witzorkiwitz unter 0 60 21 / 4 44 97 00 oder E-mail dpsg-ab@gmx.de.
Die Mädchen und Jungen treffen sich nicht nur zu Gruppenstunden, Wochenendaktionen und Zeltlagern. Sie nehmen auch an Veranstaltungen des Bezirks und des Bundes teil. Der Stamm ist über den Bundesverband Mitglied des Ringes Deutscher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, der Weltpfadfinderbewegung und der Internationalen Katholischen Konferenz des Pfadfindertums. Stefanie Walldorf und Jörg Witzorkiwitz unterstreichen das, weil der Begriff »Pfadfinder« selbst nicht geschützt ist und sich auch Gruppen mit anderer Ausrichtung so nennen.
Die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg ist ein Kinder- und Jugendverband mit pädagogischen Zielen. Mit über 100 000 Mitgliedern ist die DPSG der größte katholische Jugend- und Kinderverband in Deutschland. In jeder Altersgruppe werden die Kinder und Jugendlichen von ehrenamtlichen Leiterinnen und Leitern betreut, die entsprechend geschult sind.
Pädagogisches Ziel ist die Erziehung von jungen Menschen zu Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Pfadfinderinnen und Pfadfinder entdecken ihre Umwelt durch bewusstes Handeln. Ihr Verständnis der Welt beruht auf den Grundsätzen des christlichen Glaubens. Jörg Witzorkiwitz bringt es auf den Punkt: »Der Verband begleitet junge Menschen auf ihrem Weg zu selbstbewussten Persönlichkeiten. Nur so lässt sich die eigenständige Entwicklung von Mädchen und Jungen fördern.«
Das politische und soziale Engagement der Pfadfinder zeigt sich in vielen Bereichen: bei der Integration von Menschen mit Behinderungen, bei internationalen Begegnungen und beim Einsatz für Völkerverständigung, Weltoffenheit und Toleranz im Alltag. Weitere Schwerpunkte sind Entwicklungspolitik (Partnerschaftsprojekte), Friedensarbeit (die Weltorganisation erhielt 1981 den Friedenspreis der UNESCO) und Umweltschutz: Pfadfinder lernen, im Leben »draußen« die Natur zu bewahren und Verantwortung für die Schöpfung zu entwickeln.