Bannerweihe im Stamm Johannisburg

Wir, die Pfadfinder vom Stamm Johannisburg verabschiedeten uns Ende Oktober von unserem alten Lilienbanner- das neue erhielt zur Einweihung den Segen durch den Aschaffenburger Pfarrer Oskar Kinzinger. „Unser Banner ist nicht nur ein Stück Stoff, den man bei Pfadfinderaktionen dabei hat. Wir möchten während des Einweihungsgottesdienstes die Symbolik des Banners vorstellen und seine Bedeutung für und erklären", sagte Stammesvorstand Jörg Witzorkiwitz.
Gegründet wurde „unser" Stamm Johannisburg am 23. April 1932 und ist damit im Aschaffenburger Umkreis der älteste Stamm. Heute zählt er etwa 25 Mitglieder, der Vorstand wird geführt von Jörg Witzorkiwitz und Stefanie Walldorf. Den Gottesdienst vor der Obernauer Kapelle hatten wir, die StaVos, zusammen mit den Gruppenleitern und Kindern aus den einzelnen Stufen und mit Pfarrer Oskar Kinzinger vorbereitet und gestaltet.
Aus dem Bezirk Untermain waren außerdem die Vorsitzende Elisabeth Kümmel und eine Bannerabordnung vom Stamm Ascapha aus Mainaschaff, gekommen. Wir selbst brachten noch zahlreiche ehemalige Mitglieder mit, zu denen wir einen guten Kontakt pflegen. Ein solches Mitglied ist Bürgermeister Dehn, der sich zu Beginn des Gottesdienstes mit einer Ansprache an die versammelte Runde wandte.
Er ließ es sich nicht nehmen, eine spannende Anekdote über das Traditionsbanner zu erzählen:
1933 nämlich, nur ein Jahr nach der Gründung des Stammes, nahmen die Pfadfinder an der Fronleichnahmsprozession teil, natürlich nicht ohne ihr Banner. Dabei versuchte die Polizei das Banner zu beschlagnahmen, es gelang ihr aber glücklicherweise nicht, da sich die Pfadfinder wehrten. Ab diesem Tag versteckten sie es. In der Verbotszeit konnten sich die Pfadfinder ausschließlich im geheimen treffen, oft gerade nachts an der Obernauer Kapelle. Der Kriegsdienst forderte seine Opfer. Doch nicht lange nach Kriegsende, 1946, gründete sich der Stamm Johannisburg neu.

Niemand wusste bis dahin ob das Lilienbanner bis dahin noch existierte. 1948 entdeckten Messdiener es zufällig in der Schatzkammer, die über der Sakristei lag. Die konnte man nur erreichen, indem man im Schrank der Sakristei die Messgewänder zur Seite schob und hinten die Rückwand entfernte- dahinter verbarg sich eine Tür, die zur Schatzkammer führte. Dort fanden die Ministranten unter anderem ein Messgewand, aus dem eine ganz andere Farbe herausleuchtete: es war das Lilienbanner der Pfadfinder, das jemand dort eingenäht hatte, um es vor dem Regime zu verstecken. Diejenigen, die es dort verborgen hatten, waren nach dem Krieg nicht mehr da: aber das Banner hat überlebt und „unseren" Stamm Johannisburg bis heute überall hin begleitet.
Jetzt aber sollte das Traditionsbanner in seinen wohlverdienten Ruhestand gehen können, damit es geschont wird und dem Stamm noch solange wie möglich erhalten bleibt.
„Mit der Einweihung des neuen Banners wird heute auch ein Bund erneuert", betonte Pfarrer Kinzinger. „Ehemalige und junge Mitglieder wollen eine Einheit sein und die Ideen, die euch als Pfadfinder verbinden, weitertragen."
Kinzinger segnete das neue Lilienbanner mit dem roten Kreuz des heiligen Georg und der Lilie als Symbol der Reinheit. Die drei Blütenblätter stehen für die drei großen Verpflichtungen gegenüber Gott, die Verantwortung für die Mitmenschen und für sich selbst.
Nach diesem wunderschönen Gottesdienst unter freiem Himmel liefen wir dann wieder alle gemeinsam mir Fackeln durch den Wald zurück. Und ich glaube, jeder, der dabei war, hat etwas von dem Pfadfindergeist gespürt, der uns in dieser Nacht ganz besonders umgeben hat.