Vom Eis brechen und Gletscher spalten
Neun Rover vom Stamm Johannisburg entdecken Island
Von Joschka Hench

„Du, Andreas, guck mal, da gibt es ja überhaupt keine Bäume! Was machen wir den jetzt mit unseren Zelten?!?“ Das war das Erste, was uns im Landeanflug nach Reykjavik auffiel. Am Flughafen wurden wir dann gleich von unserer Partnergruppe und einem Verantwortlichen des Nordjambs begrüßt. Untergebracht waren wir im Pfadfinderheim in Hafnarfjördur, einem ziemlich modernen und großzügigen Gebäude. Hier ist die Kurzform unserer Erlebnisse:

 

Samstag, 05.08.06:      Vom Stammeslager geht es direkt los nach Frankfurt-Hahn. Der Flug verläuft unspektakulär und die Sicht ist im Landeanflug super. Abends geht es an eine Pfadfinderhütte in der Pampas, an der wir im Regen am Lagerfeuer – von den Isländern mit Hilfe von Lack angeschürt – sitzen und Gitarre spielen. Auf der Rückfahrt setzt einer der Isländer sein Auto in den Graben, so dass es umkippt und die ganze Seite verbeult ist. Er kann aber nach einem Reifenwechsel weiterfahren.

Sonntag, 06.08.06:      Wir starten gemeinsam mit „unseren“ fünf Isländern eine Tagestour um den Golden Circle. Nachdem wir den Arbeitsplatz von Toti, dem isländischen Leiter, eine Erdenergiegewinnungsanlage – besichtigt haben, geht es weiter nach Geysir. Von dort zum Gullfoss, nach Thingvellir, Hraunfossar und dann zum Zeltplatz in Husavell. Bei der Abendessenzubereitung müssen wir improvisieren, da die Gaskartusche falsch geöffnet wird. Also dürfen wir Feuerholz suchen – in Island ein Problem – während die Isländer auf dem Einweggrill Steaks brutzeln. Außerdem gibt es gekochten Schafskopf, fermentierten Hai und andere isländische Spezialitäten.

Montag, 07.08.06:        Wir stellen fest, dass Isländer wohl nichts zu tun haben, da nachts zwei das Auto eines Anderen so präpariert haben, dass die Hupe losgeht, wenn die Batterie wieder angeschlossen wird. Wieder in Reykjavik besuchen wir die Pearl, ein Aussichtspunkt mit Luxusrestaurant, auf vier Wassertanks errichtet. Den Rest des Tages verbringen wir mit Ausruhen und Kartenspielen.

Dienstag, 08.08.06:     In der Frühe geht es los nach Gardabaer, dort startet das Nordjamb. Mit Bussen geht es zur Auftaktveranstaltung vom Nordjamb auf der Pearl. Alles ist sehr chaotisch, der Gipfel ist, dass die deutsche Flagge verkehrt herum hängt. Ansonsten ist es ganz lustig es spielt eine Band im Regen und die Stimmung ist gut. Dann geht es mit dem Bus weiter in unser Subcamp in Skaftafell. Auf dem Weg halten wir noch kurz um den Skogafoss anzuschauen. Abends ziehen drei von uns los um noch den Svartifoss – meiner Meinung nach der beeindruckendste Wasserfall – anzuschauen.

Mittwoch, 09.08.06:     Wir kommen uns vor wie in einem Zwergenlager, da unsere Staffs Augi, Gumbi und Gisli heißen. Mit Augi geht es dann auf Bergtour, wo sich der Erste von uns mit einer Bänderdehnung verletzt. Der Schlussanstieg ist ziemlich übel, 45 Grad und Geröllfeld… Beim Abstieg treffen wir Wiesbadener. Wieder im Lager kommen Einige von uns mit den Engländerinnen ins Gespräch. Wir erfahren, dass wir keine Pfadfinder sein können. Wir sind Gothics – wegen den schwarzen Zelten und den langen Haaren.

Donnerstag, 10.08.06:   Nach dem Steigeisen anprobieren geht es mit dem Guide auf den Gletscher. Es folgt der Höhepunkt unserer Fahrt, das Eisklettern. Es ist viel einfacher als gedacht und macht ziemlich Laune. Andreas versenkt eine Vittelflasche zielsicher in einer Minigletscherspalte. Mittags dürfen wir dann noch unser Klettergeschick in einer Felswand ausprobieren. Abends gehen die hartgesottenen noch im Gletscherbach schwimmen.

Freitag, 11.08.06:      Der Lagerabbau ist schnell geschafft und es geht in den Bus. Nach der Hälfte der Strecke halten wir zum Entspannen an einem Schwimmbad mit Rutsche und Sauna. Direkt daneben ist eine Wollfabrik an der wir nach kurzem Einkauf feststellen, dass unser Marmeladeneimer ausgelaufen ist. Da kommt Freude auf! Dann noch ein kurzer Stop am Seljalandsfoss, bevor wir unsere Zelte in  Ulfljotsvatn aufschlagen. Abends gibt es noch Campfire mit allen Nordjambern und nachts noch mal ein kleines mit den bekannten Gesichtern…

Samstag, 12.08.06:      Wir bekommen ultimativ hässliche Trinkbecher und verbringen den Tag mit Karten- und Trinkspielen (ganz böse mit eiskaltem Wasser!!) in internationaler geselliger Runde. Ein Teil von uns nimmt am Programm - Hike and Tour of the Caves – teil. Der Hike entpuppt sich als Spaziergang und die „Cave“ ist 05x3x3 m groß. Es gibt eine Kletterwand und abends das erste – und letzte – gescheite Essen in Island - riesige Lammstücker. Abends reißen die Amis das Programm an sich und es gibt ein scheußliches „American Campfire“. Dann klingt der Abend in einer „Disco“ bis 24:00 Uhr aus.

Sonntag, 13.08.06:      Nach dem Abbau geht es zur Abschlussveranstaltung in irgend einem „Friedenshain“. Dort haben schon Präsidenten und andere „wichtige“ Personen Bäume gepflanzt und dass darf jetzt ein Teilnehmer aus jeder der 10 Nationen ebenfalls tun. Wir lotsen Urs erfolgreich an den hässlichen, lindgrüner Spaten. Wieder „daheim“ im Hafnafjördur Guesthouse gibt es etwas Chaos, aber alles kein Problem, dank Baldur, dem Hausmeister. Abends ist dann noch „Pizza Party“ mit Versorgungsproblemen, bevor das Nordjamb endgültig vorbei ist.

Montag, 14.08.06:       Wir verbringen den Tag in Reykjavik mit einem Stadtbummel. Jeder darf tun und lassen was er will und entdeckt die Stadt auf eigene Faust. Ich sitze mit Joachim und Hanna drei Stunden lang in einem ziemlich stylischen Teehaus.

Dienstag, 15.08.06:     Das Programm mit unserer dreiköpfigen Partnergruppe startet mit der Fahrt nach Landmannalaugar – dem Ausgangspunkt unseres Vier-Tage-Hikes. Die Klimaanlage ist viel zu kalt eingestellt. Die Landschaft ist beeindruckend, auch wenn die heißen Quellen und die aufsteigenden Dämpfe widerlich nach faulen Eiern stinken. Unser Zeltplatz könnte genauso gut auf dem Mond sein. Nachts ist es so kalt wie nie, besonders weil der Wind den Zelten teilweise arg zusetzt.

Mittwoch, 16.08.06:     Unsere zweite Hikeetappe. Wir erfahren, dass dort wo wir gestern waren heute ein Deutscher in einer Schneehöhle umgekommen ist. Die Höhle ist über ihm zusammengebrochen. Unser Weg wird interessant, da wir die erste Bachdurchquerung meistern. Mehr oder minder zumindest, da wir die ersten nassen Schuhe beklagen müssen. Unser Schlafplatz ist dafür idyllisch an einem See gelegen. Als wir schwimmen gehen wollen merken wir, dass es eher eine Riesenpfütze ist, da wir erst ewig laufen müssen, bevor es auch nur knietief ist.

Donnerstag, 17.08.06:   Heute geht es ohne Sebastian – Nachwirkungen der Bänderdehnung – und ohne Fabian – Mittelohrentzündung – los. Wir durchqueren die schwarze Wüste, wobei sich die Isländer einen ordentlichen Sonnenbrand holen.

Freitag, 18.08.06:      Unser letzter Tag on Tour ist landschaftlich noch mal phänomenal. Es muss ein reißender Bach durchquert werden und wir durchwandern das, was man noch am Ehesten als „Wald“ – 3 m hohe Krüppelbirken – bezeichnen könnte. Nach 55 km Fussmarsch erreichen wir Thorsmörk. Dort treffen wir auf einen Kieler Kerl bevor es auf die Heimfahrt nach Hafnafjördur geht. Abends verabschieden wir uns von den Isländern.

Samstag, 19.08.06:      Unmenschlich früh klingelt um 03:30 Uhr der Wecker. Nach schnellem Packen und dem Marsch zur Bushaltestelle, kommt der Bus dort eine halbe Stunde später als gedacht. Um 05:30 Uhr erreichen wir Keflavik Airport. Um 07:00 geht der Flieger. Die ganze Eingangshalle ist voll von der Schlange, die genau an dem Schalter ansteht, an den wir auch müssen. Alle sind inzwischen ziemlich gestresst, auch dank der dreisten, französischen Rentner. Letzten Endes sitzen aber alle im Flieger und es geht heim…


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Alles in Allem war es eine geile Fahrt. Die Landschaft, die Leute und die Erlebnisse haben sicherlich bei jedem tiefe Eindrücke hinterlassen. Als Letztes möchte ich mich noch bei allen bedanken, die sich in irgend einer Weise darum bemüht haben, dass diese Fahrt so stattfinden konnte. Sei es der DPSG-Stiftung der Diözese für ihrem Zuschuss, den ganzen Isländer, die uns bei der Programmgestaltung unter die Arme gegriffen haben, der restliche Roverrunde unseres Stammes, die bei „Sonnenbrand“ mitgeholfen haben, oder aber auch allen Teilnehmern, ich glaube es hat sich gelohnt.