There and back again

Die Wild-Roverfahrt einer Rovergruppe

Unterwegs sein. Entsprechend dem Motto der Roverstufe ging es für elf Rover aus dem Stamm Johannisburg nach dem Stammeslager nahtlos weiter:

Am 15.08.05 fuhren wir von Westernohe nach Walberberg, wo wir für die nächsten drei Tage im Pfarrgarten Quartier bezogen. Von dort aus war es weder auf den Weltjugendtag nach Köln, noch auf das internationale Pfadfinderlager “Onscoutmission” in Düsseldorf weit.
Nachdem wir unsere zu kurze Zeit dort ausgekostet hatten, stiegen wir am 17.08. In Düsseldorf in den Flieger nach Dublin um unsere eigentliche Roveraktion zu starten:

Irland - in den nächsten zwei Wochen würden wir hier unser Unwesen treiben. Doch wo genau wußte nur das fünfköpfige Planungsteam, und so begaben sich die Anderen ahnungslos auf die Reise…
In der ersten Nacht - noch bei einem Bekannten in Dublin - wurden wir mit einem Regenschauer, welcher der Grund war, weshalb wir im Haus Küche, Flur und Wohnzimmer belagerten, gleich einmal auf die grüne Insel eingestimmt.
Am Donnerstag ging es für uns mit dem Zug nach “Carlow” weiter. Während dieser Zugfahrt gab es erste Instruktionen vom Planungsteam: Jeder sollte in den nächsten zwei Wochen eine persönliche Mission, vom Ertauschen einer irischen Mütze, über das Organisieren von original irischen Kartoffelsetzlingen bis zum Kochen eines typisch irischen Essens war alles möglich, zu erfüllen.
In Carlow ging es dann auf unseren ersten Hike: 40 km nach Kilkenny lagen jetzt vor uns. Gegen Abend schlugen wir unsere Jurte in einem kleinen Waldstück auf, und machten uns Tee im Kellykettle und eine Reispampe über dem Feuer.
Am Freitag brachen wir nach einem spärlichen Frühstück relativ bald auf, denn es lagen noch 25 km vor uns. Nach ca. fünf Kilometern beschlossen wir den Weg etwas abzukürzen und 800m querfeldein durch einen Wald zu gehen. Etwa anderthalb Stunden später verließen wir den Wald auf der anderen Seite. Der irische Wald hatte seine Spuren verlassen: Nur noch zwei Leute hatten trockene Füße - einige waren in der Sumpf / Nadelwaldkombination bis zur Hüfte versunken - und bei alle waren von dem dichten Unterholz verschrammt und die Isomatten zerfleddert. Ungefähr zehn km später merkte einer der Rover, daß er wohl besser nicht auf seinen Vater gehört und seinen Rucksack alleine gepackt hätte. Nachdem wir sein Gepäck gleichmäßig auf den Rest verteilt hatten schleppten wir uns das letzte Stück nach Kilkenny.
Nachdem wir uns im Pfadfinderhaus in Kilkenny erst mal ausgeruht hatten suchten wir in der Stadt nach etwas Eßbarem und dem ersten echten “Guinness”…
Am nächsten Tag, einem Samstag, verbrachten wir die Zeit mit Waschen, Trocknen, Erholen, Sightseeing, Schafkopfen und Kochen. Die ersten beiden erfüllten nämlich ihre Mission mit der Zubereitung des himmlischen “Brown Irish Stew with Guinness”. So gestärkt warteten wir gespannt auf die angekündigte, nächtliche Rückkehr der irischen Pfadfinder aus deren Sommerlager in der Schweiz. Mit diesen wurde dann Neuigkeiten, Adressen und natürlich Halstücher getauscht.
Sonntags wartete dann auch schon die nächste Etappe auf uns: Mit dem Bus nach Kilorglin. Dort angekommen regnete es heftig und wir hatten Glück, daß wir relativ schnell bei einem Bauern in einer trockenen Scheune unterkamen. Als dieser uns auch noch einen Wasserkocher für Tee und Suppe brachte, war der Abend gerettet.
Gut gelaunt machten wir uns am Montag auf den Weg, die Sonne schien und es versprach ein schöner Tag für unseren zweiten Hike zu werden. Wir kamen gut voran und genossen die schöne Landschaft in Kerry mit dem Atlantik, den Bergen und dazwischen saftigen grünen Wiesen. Gegen Mittag erreichten wir unser Ziel: Rosbeigh Beach, eine fünf Kilometer lange und 600 m breite Halbinsel, die aus Strand und Dünen besteht. Hier erwartete uns eine Überraschung, denn als wir so am Strand an den anderen Badegästen vorbeischlenderten kam auf einmal jemand auf uns zu: Es war ein Ehemaliger aus unserem Stamm, die Welt ist doch kleiner als man denkt… Nach einer kurzen Unterhaltung war es für uns an der Zeit über unser Nachtlager nachzudenken: Entweder in der Jurte auf dem Campingplatz oder in “Kröten” in den “Dünen” verborgen. Wir entschieden uns für die zweite, um einiges pfadfinderischere und abenteuerlichere Variante. Jeder hatte eine Plane, einen Hering und eine Jurtenseitenstange… Also wurden die Kröten am Strandgras festgeknotet, was erstaunlich gut funktionierte. Nachts jedoch hieß es für einige von uns, dank einer leichten Brise, auch schon wieder nachspannen und neu befestigen..
Am nächsten Tag gingen sechs von uns ins fünf km “nahe” Kaff um Verpflegung für die nächsten zwei Tage (18 Brote, 12 Salamis und 3kg Käse) zu besorgen. Wieder zurück war für den Abend das Roverversprechen angesetzt. Die Atmosphäre im Fackelschein an der Atlantikküste war unbeschreiblich und das Versprechen hinterließ bei allen Beteiligten bleibende Erinnerungen. Im Anschluß verkrochen wir uns bald in unsere Schlafsäcke da Regen und Wind einsetzten und es am nächsten Tag um 04:30 weitergehen sollte. An ein Durchschlafen war aber nicht zu denken da sich das Wetter immer mehr in einen Sturm verwandelte. Gegen 23:00 gaben die ersten Beiden den Kampf gegen das Wetter auf und verschwanden in den Regenschauern in Richtung öffentliche Toiletten. Kurze Zeit später nahm das nächste Duo die zwei Kilometer zu den Toiletten auf sich, um dann komplett durchnäßt und vom Sand durchgepeitscht, aber im Trockenen die Nacht zu verbringen, während die Anderen in ihren Kröten auf den Weltuntergang warteten.
Es war noch dunkel als es endlich ans aufstehen ging und wir unsere nassen und versandeten Gepäckstücke schulterten und uns nach Glenbeigh aufmachten. Von dort reisten wir per Bus nach Cong wo wir wieder auf Schusters Rappen umsattelten. Da die Wanderstiefel noch durchweicht waren, wurden die folgenden acht km für manch Einen zur Tortur. Bei einem Bekannten regenerierten wir in den nächsten drei Tagen und verbrachten sie damit im Lough Corrib zu baden, im hauseigenen Wasserfall zu duschen und Steine aus dem zukünftigen Vorgarten zu lesen. Hier fand auch der spirituelle Abend zum Thema “Feuer - Energie, Konflikte” statt, der mit Feuerspucken auf dem nahen “Berg” eingeleitet wurde. Unterbrochen wurde die Aktion von einem ältern Anwohner, der die Lichter auf dem Berg für SOS-Signale hielt. Der “Berg” war eher ein Hügel , aber der “Bergwacht” war es ernst: “No one goes on the mountain at night!” Er konnte uns zwar nicht wirklich von der akuten Gefahr überzeugen, aber wir wollten ihn auch nicht weiter reizen und so folgten wir ihm auf seinem “sicheren” Weg.
Am nächsten Morgen hieß es wieder einmal Abschied nehmen und gelangten bald wieder nach Cong, wo wir in den Bus nach Athlone stiegen. Hier teilte sich unsere Gruppe. Vier von uns entschieden sich für den geplanten Fußmarsch nach Tullamore, der Rest nahm wegen übermäßiger Blasenbildung den Bus. Die Vierergruppe schlug an diesem Tag ihre Kohte, nach einem zeitraubenden Irrweg, kurz vor Athlone auf, während der Rest auf der Farm eines Bekannten königlich empfangen wurde.
Den nächsten Tag verbrachten sämtliche Teilnehmer mit körperlicher Betätigung: Die Busfahrer halfen dabei die störenden Steine aus dem Acker zu sammeln und die Anderen begaben sich nach einem frühen Kuh-Intermezzo auf die Längste der Wanderungen. 35 km und neun Stunden später trafen sie auf der Farm ein, wo der Rest sich gerade den Bauch vollschlug.
Nach zwei langen Abenden am Torffeuer mit irischer Gesellschaft ging es Montag morgens auf den letzten Teil unserer Reise. Per Viehanhänger und Bus fuhren wir wieder zurück nach Dublin. Hier flanierten wir die letzten zwei Tage, die uns geblieben waren, in der Stadt herum und machten letzte Besorgungen und schauten uns sogar ein bißchen die Stadt an. Da jeder sein Dublin-Programm individuell gestalten konnte, entstand eine Fülle von unterschiedlichen Eindrücken und jeder kam auf seine Kosten. Am 31.08. Hieß es für uns um 04:00 aufstehen und ab in die Taxis zum Flughafen…

Alles in Allem war es eine geile - wenn auch anstrengende - Zeit, die alle Beteiligten um einige Erfahrungen und Erinnerungen bereichert hat. Die Zeit und der Elan die sowohl in die Vorbereitung, als auch in die Ausführung gesteckt wurde, ist gut angelegt und die Zweifel an diesem Mammutprojekt wurden widerlegt. Der Weg für Island 2006 ist geebnet…

 

David Freudenberger,
Jonas Müller,
Joschka Hench

 


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